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Was ist Psychomotorik?

Auf einem Rollbrett kann man viel bewegen. Sitzend, liegend, stehend, rollend, rutschend, schiebend. Wer sich mit einem Rollbrett beschäftigt, der spürt den Reiz der Bewegung, den Antrieb aus eigener Kraft und die unmittelbare Körpererfahrung.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers durch spielerisches Verhalten ist ein Kernelement von Psychomotorik. Denn Lernen, Wahrnehmung und Bewegung sind eng miteinander verbunden.

Psychomotorik beschreibt diesen Zusammenhang als enge und wechselseitige Verbindung von psychischen Prozessen und Bewegung. Der neurologische Fachbegriff „Psychomotorik" wurde aus der Medizin in die Pädagogik übertragen und hat sich zueinem pädagogischen und therapeutischen Konzept entwickelt. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Ansätze der Psychomotorik mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Definitionen. Ihren gemeinsamen Ursprung haben die deutschen Psychomotoriker in den Erfahrungen von Dr. Ernst „Jonny" Kiphard. Der Diplom-Sportlehrer stellte in den 1950er Jahren eine deutlich positive Wirkung seiner Bewegungsangebote auf die emotionale Entwicklung von verhaltensauffälligen Kindern fest. Er entwickelte Bewegungserlebnisse, die diese therapeutische Wirkung unterstützen.

+Selbsttätiges Handeln statt Übungen

Aus der „Psychomotorischen Übungsbehandlung" wurde schnell eine Fortbildungsreihe, die viele begeisterte Teilnehmer und Multiplikatoren fand. Dabei spricht man heute nicht mehr von „Übungen", denn anstatt von vorgegebenen Bewegungsabläufen, wie etwa beim Sport, geht es in der Psychomotorik um die Eigentätigkeit des Individuums: „Ich erfahre eine Wirkung durch selbsttätiges Handeln". Diese Erfahrungen werden durch gezielte Spiel- und Bewegungsangebote gefördert, bei denen die Freiwilligkeit und Eigentätigkeit entscheidend sind. Psychomotorische Angebote sind dabei mehr von einer Haltung gegenüber der Wahrnehmung und dem Erleben des Individuums geprägt, als von vorgegebenen Handlungsabläufen.

+Motologie, Motopädagogik, Mototherapie

Ausgehend von der Psychomotorik hat sich der Begriff der Motologie gebildet und als wissenschaftliche Disziplin etabliert. Das Wissen der Psychomotorik und der Motologie findet heute viele Anwendungsfelder, besonders in der Pädagogik und der Gesundheitsförderung. Die Motopädagogik nutzt den engen Zusammenhang von Wahrnehmen, Erleben und Handeln für Lernprozesse und fördert damit durch den natürlichen Bewegungsdrang die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

In der Mototherapie werden die Wahrnehmung des Körpers und der selbstbestimmten Handlung zur Prävention und auch zur Therapie eingesetzt. Besonders Adipositas und ADHS (Hyperaktivität) sind die wesentlichen Anwendungsfelder der Mototherapie, die aber ebenso in der Arbeit mit alten und behinderten Menschen sowie in der Therapie von Verhaltensstörungen genutzt wird. Die persönliche Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess, der in der handelnden Auseinandersetzung des Menschen mit seiner sozialen und materiellen Umwelt stattfindet. Daher gibt es auch in der Psychomotorik und ihren einzelnen Bereichen keine abgeschlossene Entwicklung. Es ist genauso wie mit dem Rollbrett. Wer sich einmal damit beschäftigt, der findet immer wieder neue Möglichkeiten und Ideen.